Welchen Anreiz können Netzentgelte für effiziente Netznutzung bieten?

30. August 2019 | Nachrichten
Power cable

Leistungsbasierte Netzentgelte rücken in den Fokus. In unserem Bericht für die schwedische Energiemarktaufsicht identifizieren wir sowohl die Tarifgestaltung, als auch den Implementierungsprozess als zentrale Erfolgsfaktoren für Entgeltreformen.

Die schwedische Energiemarktaufsicht (EI) wurde dazu beauftragt, neue Regulierung zur effizienteren Netznutzung durch Anreize in der Ausformung von Netzentgelten zu entwickeln.

Um einen besseren Einblick in die Thematik zu gewinnen, wurde THEMA ausgewählt, einen Bericht über derzeitige Best Practices zu erstellen. Basierend auf Interviews mit schwedischen und internationalen Verteilnetzbetreibern (VNBs) und Regulatoren bzw. einer gründlichen Aufarbeitung der Fachliteratur liefert der Bericht einen guten Einblick in die Erfahrungen mit verschiedenen Arten der Netzentgeltgestaltung und -regulierung für effizientere Netznutzung.

Netzentgelte sollten der Theorie zufolge die gesamten Netzkosten finanzieren und Preissignale für die effiziente Nutzung und Entwicklung der Netzkapazität liefern. Um diesem Kriterium zu entsprechen, können Netzentgelte unter anderem Preissignale enthalten, um Anreize für Änderungen im Stromverbrauchsverhalten der Netzkunden zu liefern. Ein Beispiel dafür ist die Einführung von Leistungspreisen, wenn die Gefahr eines Kapazitätsengpasses im Netz besteht. Vor deren Einführung sollten jedoch sowohl die Kapazitätssituation, als auch die Flexibilität der Spitzenlast der Netzkunden bewertet werden.

Damit Preissignale den gewünschten Effekt erzielen, ist es entscheidend, dass Kunden verstehen, wie sie ihre Verbrauchsmuster netzdienlich gestalten können.

Regulierungsbehörden entscheiden sich für sehr unterschiedliche Reformpfade, die VNBs und Kunden verschiedene Optionen bieten, ihr Verhalten anzupassen. Erfahrungen aus Norwegen, Großbritannien, den Niederlanden, Italien, Australien und Kanada zeigen, dass trotz differierender Reformansätze gute Kommunikation mit den jeweiligen Stakeholdern allen erfolgreichen Entgeltreformen gemeinsam ist.

Eine gute Vorbereitung auf die Tarifänderung und die Einbindung der Verbraucher in den Reformprozess kann Kritik vorbeugen und Akzeptanzprobleme vermeiden. Der Zweck der Reform sollte zudem klar kommuniziert und Auswirkungen bzw. Verteilungseffekte dokumentiert werden, um den Erfolg der gewählten Maßnahmen einschätzen zu können.

THEMA hat neue Tarife von ÜNBs aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Irland, Frankreich, den USA und Kanada untersucht. Viele davon haben leistungsbasierte Netzentgelte eingeführt oder planen dies.

Leider gibt es in Schweden nur wenige Studien zur Reaktion der Kunden auf Preissignale. Bisherige Analysen zeigen jedoch, dass die Spitzenlast reduziert werden kann. Warmwasseraufbereitung, Heizen oder das Aufladen des Elektroautos können problemlos flexibel erfolgen. Um die bestmögliche Reaktion zu erzielen, ist eine Automatisierung dieser Vorgänge von entscheidender Bedeutung.

Nicht nur monetäre Anreize können eine Veränderung von Stromverbrauchsmustern bewirken. Erfahrungen zeigen, dass auch Maßnahmen, die auf Verhaltensänderungen abzielen, wie bspw. Information, Beratung oder Vergleiche mit dem Verhalten benachbarter Nutzer, eine zentrale Rolle für die Steuerung von Spitzenlasten spielen können.

Lesen Sie:

THEMA Rapport 2019-11 >> Nättariffer för ett effektivt utnyttjande avelnätet 

portrettbilde, forfatter

Berit Tennbakk
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